Historisches
Bis zum Ende der zwanziger Jahre baute eine Gruppe Gymnasiasten ihre Spur1-Bahnen zu Weihnachten gemeinsam in einem Wohnzimmer auf. Die Eltern kauften sich frei, indem sie gestatteten, hierfür Gaststättensäle anzumieten. Der Sprung an die Öffentlichkeit gelang, als die Schulbehörde von der belehrenden Art dieser Veranstaltungen überzeugt werden konnte und dafür Turnhallen, Zeichensäle usw. her gab. Als bei einer Schau das für damalige Zeiten ungeheure Defizit von 50 Reichsmark entstanden war, entschlossen sich die jungen Herren am 10. November 1931 zur Gründung eines Vereins, der im Dezember 1931 eingetragen wurde. 1938 konnte in der Bergstraße ein Raum von 100 m² für 90 Reichsmark im Monat angemietet werden. Die erste feste Anlage entstand mit dem Thema "Göttingen". Zwar konnte hier auch eine kleine Werkstatt eingerichtet werden, für regelmäßige Vorführungen vor Publikum reichte der Raum jedoch nicht. Den Krieg überstand die Anlage leicht beschädigt. Der Betrieb hatte ohnehin geruht. Einige ausgelagerte Triebfahrzeuge gingen leider verloren.
Die neue Anlage
1946
wurde Professor Dr. Walter
Hävernick, der langjährige Vorsitzende, Direktor des
Museums für Hamburgische
Geschichte. Er hatte schon 1944 eine Schrift über ein
hamburgisches Verkehrsmuseum
verfasst, dessen Kernstücke ein Museumsbahn-Betrieb und eine
große Modellbahn sein
sollten. Für
die nach einem Hamburger Thema
neu zu bauende Modellbahn
konnte er im Museum
einen Saal bereitstellen. Als Vorbild, mit dem man alle Funktionen der
Eisenbahn zeigen konnte,
entschied man sich nach einem Ideenwettbewerb für den Bahnhof
Hamburg-Harburg, da er sowohl
über einen großen Personenbahnhof mit dem
Zusammenlauf mehrerer Strecken als auch einen Rangierbahnhof, eine
örtliche
Ladeanlage und ein Bahnbetriebswerk verfügte. Zugleich sollte
am Hauptgüterbahnhof
/ Kai rechts ein Direktumschlag Bahn / Schiff gezeigt werden. Somit
konnte - zunächst
für 20 Jahre - ein Vertrag mit der Kulturbehörde
geschlossen werden. Freunde
aus Schweden konnten uns 250 m² Sperrholzplatten für
den Bau der Anlage beschaffen. Sie erhielten dafür ein 1:10
Modell
eines schwedischen Schlafwagens. In
nur zwei Jahren wurde die Anlage erstellt.
Die Gründungsmitglieder des Modelleisenbahn Hamburg e.V.
konnten aufatmen, als am 7.
Oktober 1949 ihr lang gehegter Wunsch in Erfüllung ging. Durch
die Inbetriebnahme ihrer großen Modelleisenbahnanlage im
Museum für Hamburgische Geschichte
konnten sie über die Eisenbahn informieren und für
sie werben. An der Erfüllung dieses Wunsches hatte man mehr
als 20 Jahre
gearbeitet. Bei der Eröffnung kam es zwar zu dem bekannten
Vorführeffekt, d.h.
zunächst ging nichts. Danach erwies sich die Anlage aber doch
als sehr zuverlässig und
konnte mehr als 40 Jahre ohne einen technisch bedingten Ausfall
vorgeführt werden.
Die Katastrophe
Im Frühjahr 1994 legte ein Kurzschluss einen großen Teil der Anlage lahm. Vorführungen konnten erst wieder ab Dezember 1994 auf einem Teilstück der Anlage durchgeführt werden. Es zeigte sich, dass viele Anlagenteile verschlissen waren. Auch die Fahrzeuge mussten zum Teil aufwendig aufgearbeitet werden, hatten doch einige bereits ca. 6000 Kilometer zurückgelegt. Im Februar 1995 verlangte ein Brandschutzgutachten, praktisch die gesamte Verkabelung zu erneuern. Damit war der Fortbestand der gesamte Anlage akut gefährdet. Mangels Einnahmen mussten die beiden Angestellten leider entlassen werden.
Der Neubeginn
Dem
Engagement vieler Vereinsmitglieder und dem erfreulichen,
publizistischen Echo, das mit Material und Bargeld zu einer
kräftigen Anschubfinanzierung führte, ist es zu
verdanken, dass die Anlage überarbeitet werden konnte und
heute fortbesteht.
Im Rahmen der Überarbeitung wurden alle alten Gleise durch
vorbildlichere neue ersetzt. Damit verbunden war die Umstellung vom
Dreileiter-Wechselstrom- auf das Zweileiter-Gleichstrom-System und die
Notwendigkeit, alle einzusetzenden Fahrzeuge entsprechend
umzurüsten. Für die Steuerung der Anlage wurde das
PC-gestützte System der Fa.
Gahler+Ringstmeier installiert. Es ermöglicht einen
automatischen
Ablauf bei den Vorführungen. Am 6. Dezember 1996 konnten die
Vorführungen mit 16 Zügen auf etwa 40% der
Gleisanlagen wieder beginnen.
Es wurden wieder zwei Mitarbeiter eingestellt. Zum 50 jährigen
Anlagenjubiläum am 7. Oktober 1999 konnten weitere wesentliche
Teile der Anlage wieder in Betrieb genommen werden: der
Hauptgüterbahnhof und der Bahnhof 'Cuxhaven' mit seiner
Anschlussstrecke. Die Oberleitung ist weitgehend
fertiggestellt. Die PC-Steuerung lässt es zu, mehr
Züge als jemals zuvor in einer Vorführung zu zeigen.
Der Fahrplan der Vorführungen vor dem Zusammenbruch war auf
einen
Tagesablauf im Bahnhof Harburg aufgebaut. Im Gegensatz dazu
ist unser
heutiges Thema "100 Jahre Eisenbahngeschichte in Hamburg" - von
preußischen Abteilwagen bis zum ICE sowie entsprechende
Zugbildungen im Güterverkehr.
Angesichts der leeren öffentlichen Kassen war die dem Verein
eigentlich
wohlgesonnene Kulturbehörde gezwungen, ihre Zuwendungen zu
streichen. Im Oktober 1999 ist die Zusammenarbeit mit dem
hamburgmuseum den gegebenen Erfordernissen angepasst worden. Seitdem
wird kein zusätzlicher Eintritt mehr erhoben.
Die Entwicklung ab 2000
Weitere
Teile der Anlage konnten mit neuem Gleismaterial wieder in Betrieb
genommen werden: der Abstellbahnhof Hbr und der Bahnhof III am
Haltepunkt Elbbrücke.
Der Außenbahnhof, unser großer Abstellbahnhof
hinter
der Anlage, wurde umgestaltet. Bei der Einfahrt von der Pfeilerbahn
nach 'Lüneburg' wird jetzt nicht mehr die Strecke in
Gegenrichtung gekreuzt.
Die Gleisradien für die Ein- und Ausfahrten Pfeilerbahn -
'Buchholz' sind zur Verbesserung der Betriebssicherheit
vergrößert worden.
Das Gelände am hinteren Ende des Seevetals ist neu gestaltet
und
mit zusätzlichem Ausstattungsmaterial versehen worden. Der
Gleisplan in Richtung 'Lüneburg' konnte auch in dem Bereich
auf unseren Standardwert vergrößert werden.
Die Ortsgüteranlage in Harburg und das
Gelände
vor dem Portal der Süderelbbrücke sind neu gestaltet
und mit zusätzlichem Ausstattungsmaterial versehen worden.
Vier Drucktasten-Stellwerke wurden gebaut und sind in Betrieb. Zwei
stehen
im Stellwerksturm und zwei im Außenbahnhof. Von dort
können auch Besucher ab und zu unter Anleitung selbst
Züge fahren lassen.
Die Fa. Viessmann spendete uns fünf vierachsige
Schiebewandwagen
der Fa. Egon Bockholt & Söhne mit großer
Werbebeschriftung. Großzügige private Spenden
erlaubten uns die Anschaffung neuer Fahrzeuge, zum Beispiel eine
Dampflok BR 50 mit Kabinentender, eine Dampflok BR 41 mit Neubaukessel
und Öltender sowie eine Diesellok BR V200.
Im Rahmen der Sanierung des Museumgebäudes wurde auch der Raum
mit der Eisenbahnanlage renoviert. Sie hat neue Fenster erhalten und
wurde neu gestrichen. Die sehr unterschiedlichen alten Vitrinen konnten
durch einheitliche moderne aus dem Bestand des hamburgmuseums ersetzt
werden.
Ausblick
Der
Bahnhof III am Haltepunkt Elbbrücke erhält ein
eigenes
Drucktasten-Stellwerk, welches es den Besuchern ermöglichen
wird, selbstständig Zugfahrten (Rangierfahrten) in diesem
Bereich durchzuführen. In Kürze beginnt auch die
Überarbeitung der übrigen Geländegestaltung.
Das Bahnbetriebswerk Harburg wird wieder inklusive der Drehscheibe
funktionsfähig hergerichtet und erhält einen neuen
Wasserkran.
Die Aufarbeitung und Umrüstung weiterer historischer Fahrzeuge
auf
das Zweileiter-Gleichstrom-System wird fortgesetzt. Für die
Durchführung dieser Aufgaben suchen wir Unterstützung
durch Hobby-Kollegen mit Erfahrung und handwerklichem Geschick. Wenn
Sie Freude an der Mitarbeit haben, nehmen wir Sie gern als Mitglied in
unserem Verein auf.
Für unser Motto "100 Jahre Eisenbahngeschichte in Hamburg"
fehlen uns noch
einige hamburgtypische Fahrzeuge, wie zum Beispiel die
Nahverkehrwagen 'Silberlinge' oder einige moderne
Güterwagen. Über Sponsoren, die uns diese
Anschaffungen ermöglichen, würden wir uns sehr
freuen.